NUR PROBLEME?

Über Legasthenie herrschen viele Vorurteile und Halbwahrheiten.
Tatsache ist, dass dieses Phänomen sehr intensiv mit der Persönlichkeit des jeweils Betroffenen zusammenhängt.

Legastheniker(innen) sind nicht bloß Unfähige. Es gibt viele bekannte und berühmte Persönlichkeiten, die legasthen waren oder sind, - sogar Genies!

Vielleicht ist also Legasthenie nicht nur etwas Negatives. Ronald Davis, der sich selbst mit dem Problem herumschlagen musste, gelangte jedenfalls zu dieser Anschauung.

ZITATE

Wehe dem, der ein Kind in Furcht erzieht, und wenn es die Furcht Gottes wäre! (W. Rathenau)

FAQ - 10 Fragen und Antworten

> Positive Aspekte?

DRUCKEN  Drucken


DRUCKEN  Drucken


Positive Aspekte der Legasthenie?

Normalerweise wird Legasthenie als ein Nachteil, meist leider sogar als eine Art Behinderung angesehen.Leonardo

Doch offensichtlich verfügen legasthene Menschen auch über gewisse Fähigkeiten und Begabungen, die ihnen in manchen Bereichen von Vorteil sein können. Und damit erreichen sie gelegentlich sogar die Genialität!

Folgende Fähigkeiten sind dabei besonders interessant:

- Denken in Bildern statt in Worten
- Vielschichtige, doch kaum klar fassbare Orientiertheit
- Unbegrenzte Fantasie

Was ist nun mit diesen Begriffen gemeint?

BLITZDENKER

Die meisten Menschen denken in Worten. Ihre Gedankenfolgen laufen linear in Wörtern und Sätzen ab. Legastheniker(innen) denken in Bildern. Dieses nonverbale Denken spielt sich wesentlich rascher ab, vermutlich bis zu tausendmal schneller. Aber es bleibt oftmals auch unterhalb der wachen Bewusstseinsschwelle, sozusagen fast ein wenig träumend. Es weiß sich außerdem nicht in einem eindeutigen Zeitablauf. Daher lassen sich dabei unzählige Gedanken gleichzeitig erleben, allerdings auch nur schwer konkret erfassen.

MULTI-ORIENTIERTE

Ronald D. Davis, selbst ein Legastheniker, hat den Begriff der "Desorientierung" geprägt. Für unsere Orientierung ermitteln wir mit unseren Sinnesorganen unseren Standpunkt in Bezug auf unsere Umgebung. Ein legasthener Mensch hat aber eine äußerst vielschichtige Art des Wahrnehmens. Sehr oft verändert auch sein Bewusstsein die Wahrnehmungsinhalte - Realität und eigene Gestaltungsprozesse vermischen sich, durchdringen einander. Ein Legasthener kämpft also mit dem Problem, dass er die Wahrnehmungsinhalte verwandelt und umgestaltet.

FANTASIE-GENIES

Für einen "Wort-Denker" mit klarem Standpunkt gehört die Fantasie oftmals bloß in den Bereich des Spielens, in den er sich zu gewissen Zeiten gerne begibt, um sich zu unterhalten. Der Legasthene lebt die Fantasie. Es gibt für ihn nicht den Unterschied zwischen Realität und Fantasie, die Fantasie ist Realität, seine inneren Bilder sind Realität, seine Gedanken sind Realität - und mit seinem Denken (er)schafft er auch Wirklichkeit. Es ist daher alles möglich. Diese Welt hat keinen Anfang und kein Ende. Das ist der weite Raum der Unendlichkeit, aus dem alle Ideen stammen.

Helikopter
Leonardo da Vinci (1452-1519) gehört zu den kreativsten Persönlichkeiten der beginnenden Neuzeit. Die meisten Menschen wissen nur, dass er hervorragend zeichnen und malen konnte. Doch seine Talente waren vielfältig: Er betätigte sich als Naturforscher, Physiker, Musiker, Architekt und Erfinder. Zahlreiche Entwürfe sind von ihm überliefert, u. a. für Instrumente, Geräte und Maschinen.
Auf der nebenstehenden Abbildung ist seine Skizze für einen ersten Helikopter zu sehen. Typisch für Leonardo war seine Art, in Spiegelschrift zu schreiben. In Bildern und bildhaften Gedanken fühlte er sich zu Hause - das Schreiben aber blieb für ihn stets eine eher fremde und mühselige Tätigkeit.

Natürlich ist nicht jede(r) Legastheniker(in) auch gleichzeitig ein Genie wie Leonardo. Aber die etwas andere Art, wahrzunehmen und zu denken, - übrigens bei jedem legasthenen Menschen auch ganz individuell anders - hat nicht nur ihre Schattenseiten!

Wer weiß, vielleicht liegt darin sogar die neue zukünftige Form des Wahrnehmens und Denkens der gesamten Menschheit. Schließlich können wir schon seit einigen Jahrzehnten eine geradezu unglaubliche Sucht nach Bildern in unserer Zivilisation beobachten. Es scheint fast so, als würde die "Bildsprache" sehr bald die "Wortsprache" ablösen.

Auf jeden Fall wird für die Zukunft der Zivilisation gewiss ein großes Maß an Flexibilität, Kreativität und Fantasie nötig sein.
- Eine Chance für Legastheniker(innen)?

DRUCKEN  Drucken

> LEGASTHENIE-LINKS
^ Seitenanfang



©2008-2012 webmaster mpb

©2012 by Manfred P. Bauer (Diplom. Legasthenie- und Dyskalkulietrainer des EÖDL)